18 juni 2005

Norwegische Handels- und Marktplätze der Wikingerzeit

H.W. Böhme hat im Rahmen seiner zusammenfassenden Betrachtung der maritimen Zentralplätze in Südskandinavien die Frage gestellt, welchem Personenkreis deren Kontrolle zuzuschreiben ist. In einer zeitlich weit ausgreifenden Perspektive ist er dabei zu dem Ergebnis gelangt, die ab dem 5./6. Jh. begründeten Handels- und Marktplätze hätten sich unter „privater“ Kontrolle von lokalem Adel bzw. regionalen Magnaten oder bei Königshöfen befunden. Mit Gründung der gut organisierten, später befestigten „frühen Städte“ wie Haithabu und Birka sei der Fernhandel mehr und mehr unter königliche Kontrolle gelangt. Dem bereits im 3. Jh. eingerichteten „königlichen“ Gudme/Lundeborg/Møllegårdsmarken wird eine Sonderstellung zugewiesen (BÖHME 2001, 494).

H.W. Böhmes Artikel (2001) beschäftigte sich in überblicksartiger Form mit den zahlreichen südskandinavischen Untersuchungen seit den 1980er Jahren, die der Lokalisierung und Beschreibung von Markt- und Handelsplätzen - neutraler: von maritimen Zentralplätzen mit unterschiedlichen Funktionen - gewidmet waren. Diese insbesondere ab dem 5./6. Jh. eingerichteten Orte, die zum überwiegenden Teil durch Metalldetektoren entdeckt wurden, zeichnen sich u.a. durch mächtige küstennahe Kulturschichten, Hinterlassenschaften gewerblicher Produktion, herausragende Grab- und Schatzfunde sowie Hallengebäude aus. Dank der intensiven Forschungen ist es mittlerweile gelungen, zahlreiche Zentralplatzindikatoren der Eisenzeit und des Mittelalters zu isolieren und die archäologischen sowie topographischen Beobachtungen in einem südskandinavischen Zentralplatzmodell zu bündeln (z.B. JØRGENSEN 1995; FABECH 1999; CALLMER 2001; NÄSMAN 2001). Werden auch namenkundliche Indizien herangezogen, so kann kaum ein Zweifel daran bestehen, daß es sich um Orte mit politischen, wirtschaftlichen, kultischen und weiteren Aufgaben handelte, die zum guten Teil auch im Mittelalter eine bedeutende Stellung innehatten, u.a. in Form von Steinkirchen oder Königsgut (BRINK 1999).

Der vorliegende Artikel möchte das von H.W. Böhme kaum betrachtete Norwegen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen, d.h. ein Land, das durch den schroffen Gegensatz zwischen küsten- und fjordnaher Besiedlung bzw. landeinwärts aufragenden Fjellmassiven gekennzeichnet ist und seinen Namen nach dem „Nordweg“ erhielt, d.h. der Schiffahrtsroute vom südlichen zum nördlichen Landesteil mit einer Länge von etwa 1600 Kilometer Luftlinie (vgl. CHRISTOPHERSEN 1991, 159f.).

Der Beitrag verfolgt zwei Fragestellungen: Welchem Personenkreis unterstand die Kontrolle in ausgewählten Handels- und Marktplätzen der norwegischen Wikingerzeit ( = der sozialgeschichtliche Aspekt im Sinne H.W. Böhmes), und welche Aufgabe nahmen diese Plätze wahr ( = der zentralörtliche Aspekt) ?

Das vom deutschen Geographen W. Christaller in den frühen 1930er Jahren entwickelte Konzept der zentralen Orte, das starken Anklang bei Fachkollegen gefunden hat, geht von der Annahme aus, dass moderne Siedlungen in einer Landschaft räumlich-funktionell miteinander in Beziehung stehen und unterschiedlichen hierarchischen Niveaus angehören (CHRISTALLER 1933; SCHÖLLER 1972). Um die zentralörtliche Stellung einer Siedlung zu ermitteln, werden neun Funktions- und Sachbereiche herangezogen, die im Sinne eines „Funktionsüberschusses“ über den eigentlichen Ort herausreichen (CHRISTALLER 1933, 139f.). Christallers These ist ab den 1950er Jahren von Historikern aufgegriffen und insbesondere für das späte Mittelalter und die Neuere Geschichte diskutiert worden, doch erst im Jahr 1973 wurde durch D. Denecke der Versuch unternommen, das Konzept auch für ältere Abschnitte des Mittelalters nutzbar zu machen (DENECKE 1973; JÄGER 1999). Unter Anlehnung an Christaller formulierte er zehn Grundfunktionen eines mittelalterlichen Zentralorts (DENECKE 1973, 42-49). Interessanterweise regte Denecke Studien für die Vor- und Frühgeschichte an, doch Archäologen zeigten zunächst ein nur geringes Interesse an diesem Thema (FEHN 1970; KUNOW 1988). Erst in den letzten Jahren scheint in der deutschsprachigen Archäologie eine methodische Diskussion zum Zentralplatzkonzept einzusetzen, die jedoch nur ausschnitthaft ältere anglo-amerikanische Studien zur Kenntnis nimmt (BERNBECK 1997, 169-174; GRINGMUTH-DALLMER 1999; HENNIG/LUCIANU 2000; vgl. auch SALAČ 2000). E. Gringmuth Dallmer, der zentralörtliche Aspekte des slawischen Siedlungsgebiets westlich der Oder im 11./12. Jh. diskutiert hat, ist der Meinung, für die Vor- und Frühgeschichte seien allgemein fünf Grundfunktionen derartiger Orte zu würdigen: 1. Herrschaft; 2. Schutz; 3. Rohstoffgewinnung bzw. Handwerk/Gewerbe; 4. Handel; 5. Kult (GRINGMUTH-DALLMER 1993; 1999, 10f.). Die folgende Darstellung wird im Sinne der zentralörtlichen Fragestellung nach W. Christaller und E. Gringmuth-Dallmer versuchen, das Funktionsspektrum ausgewählter norwegischer Markt- und Handelsplätze der Wikingerzeit zu ermitteln und ihre Position im Siedlungsgefüge zu skizzieren.

Der Artikel wendet sich allein der Wikingerzeit zu, doch wahrscheinlich muß bereits mit älteren Markt- und Handelsplätzen in Norwegen gerechnet werden. Die Teilnahme des Landes am spätmerowingerzeitlichen Handelsnetz in Südskandinavien und im Ostseeraum, bei dem Ribe, Ahus, Groß-Strömkendorf und andere Orte eine wichtige Rolle spielten, wird z.B. durch eine Vielzahl nordnorwegischer Glas- und Bernsteinperlen sowie südwestnorwegische Waffenfunde kontinentaler Herkunft nahegelegt (VINSRYGG 1979; CALLMER 1994, 53-63; MÜLLER-WILLE 1999, 12f. Abb. 14-15; SOLBERG 2000, 188-190). Die zahlreichen Fremdgüter der Spätkaiser- und Völkerwanderungszeit könnten auf einen maritimen Zentralplatz im nördlichen und mittleren Jæren knapp südlich von Stavanger hindeuten, vielleicht eine kleine norwegische Parallele zum herausragenden fünischen Befund in Gudme/Lundeborg/Møllegårdsmarken (vgl. z.B. SLOMANN 1971, 14; THOMSEN 1994; SOLBERG 1998, 244f.; THRANE 1998; GRIMM 2001, 58).

Ottar
Der Bericht Ottars am Hof König Alfreds im englischen Königsreich Wessex im späten 9. Jh., der für die angelsächsische Ausgabe der Weltgeschichte von Orosius schriftlich fixiert wurde, ist für die behandelte Fragestellung von zentraler Bedeutung. Wegen des sachlichen Tons, der Nennung von Beobachtungen aus erster Hand und der Überprüfbarkeit der Angaben, z.B. im Hinblick auf geographische Einzelheiten, wird Ottar ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit zugestanden (z.B. SIMONSEN 1957; DJUPEDAL 1969; LUND 1983; JOHANSEN 1988, 21-24; KRAG 1995, 78-82).

Im ersten Teil seines Berichts erzählt Ottar von Reisen zum Weißen Meer, in deren Verlauf er unbesiedeltes Land passierte, lediglich auf Samen traf und Walroßzähne durch Handel erwarb. Der zweite Abschnitt berichtet von Ottar selbst, er bezeichnet sich als einen der mächtigsten Männer im Norden und zugleich als nördlichsten aller Nordmänner. Sein Reichtum soll auf Landwirtschaft, Viehbesitz, Rentierjagd, Walfang und nicht zuletzt auf der Besteuerung der Samen beruht haben, u.a. in Form von Pelzen und Rentierfellen. Der dritte und letzte Teil beschreibt seine Reise in den Süden bzw. Südwesten (Skíringssalr/Kaupang, Haithabu, Königreich Wessex). Seinem Bericht ist weiter zu entnehmen, daß er König Alfred von Wessex Walroßzähne als Geschenke übergab.

Diese überaus wichtige Schriftquelle kann unter Heranziehung archäologischer Quellenmaterialien zu weiterführenden und reizvollen Überlegungen genutzt werden. Wird Ottar, was anhand seiner Angaben naheliegt, als nördlichster Häuptling Norwegens angesehen, so dürfte sein Gehöft mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Bjarkøy, Bjarkøy kommune (Troms) gestanden haben. Diese Insel, der nördlichste der wirklich herausragenden norwegischen Fundplätze, tritt durch bedeutende archäologische Hinterlassenschaften ab den ersten nachchristlichen Jahrhunderten hervor, die aller Wahrscheinlichkeit nach das Milieu des weitaus bekannteren Borg auf den Lofoten übertreffen (JOHANSEN 1988, 33-38; STAMSØ MUNCH/JOHANSEN/ROESDAHL 2003). Interessanterweise handelt es sich bei der Gehöft- und Inselbezeichnung Bjarkøy um einen Namensindikator für Handelsaktivitäten (s.u.), und eines der 3-4 wahrscheinlich wikingerzeitlichen Schiffshäuser auf der Insel könnte als Unterstellplatz für das Wasserfahrzeug gedient haben, das Ottar auf seinen Reisen nutzte (GRIMM 2002, 114f.). Dabei gilt es jedoch zu bedenken, daß nach einer Vielzahl neuer Datierungen die frühesten sicher datierbaren Frachtschiffe erst der zweiten Hälfte des 10. Jhs. angehören, darunter das nahe Kaupang havarierte Fahrzeug aus Klåstad, Viksfjord, Vestfold (Abmessungen: fast 21 x 5 m), das Rohmaterial zur Herstellung von Wetzsteinen aus dem bekannten ostnorwegischen Steinbruch Eidsborg (Telemark) geladen hatte (CHRISTENSEN 1979; CRUMLIN-PEDERSEN 1999, 15 Tab. 3).

Zusätzlich zu den von Ottar genannten Handelsgütern – Pelzen, Rentierfellen und Walroßzähnen – kann die Archäologie wichtige ergänzende Beobachtungen beisteuern. Wie wikingerzeitliche Datierungen zu belegen scheinen, waren auch andere Waren von Bedeutung: Sumpfeisenerz, das in intensivierter Form in Fjellgebieten gewonnen wurde, Rentiere und Elche, die man mittels ausgedehnter Fangsysteme jagte, sowie großflächig geförderte Rohmaterialien zur Herstellung von Wetzsteinen und Specksteingefäßen (GJØSTEIN RESI 1987; CHRISTOPHERSEN 1991, 160; MIKKELSEN 1994).

Wie eine maritim-archäologische Studie zu Ottars Angaben ergeben hat, muß wegen der Geschwindigkeit, die für Nachbauten wikingerzeitlicher Schiffe ermittelt wurde, eine Reisedauer von wenigstens 30 Tagen vom nördlichen Norwegen nach Skíringssalr (Kaupang) vorausgesetzt werden, und bei der Reise handelt es sich um einen Beleg für die weit verbreitete, wikingerzeitliche Küstenschiffahrt: Sie fand ohne Kompaß bzw. navigatorische Hilfsmittel, sondern lediglich unter Heranziehung eines ortskundigen Lotsen statt (CRUMLIN-PEDERSEN 1983, 35-37; vgl. jedoch MORKEN 1977, 7-9). Für die nächtlichen Reiseunterbrechungen stand ein Netz geschützter Naturhäfen auf Inseln bzw. an der Küste zur Verfügung. Derartige Häfen, z.B. auf Kvitsøy nahe Stavanger in Rogaland und die Seleyjar nahe Lindesnes im südlichsten Norwegen, sind aus der Saga-Literatur bekannt bzw. können anhand anderer Indikatoren ermittelt werden (vgl. ELVESTAD 2001, 13f.; 22f.; STYLEGAR 2004).

Norwegische Handels- und Marktplätze der Wikingerzeit
Die Forschungen wurden bisher einseitig von dem ostnorwegischen Kaupang dominiert, demgegenüber sind nur selten norwegenweite Analysen mit handelsgeschichtlicher Ausrichtung vorgenommen worden (z.B. GRIEG 1971; MOLAUG 2000; NORSENG 2000). A. Christophersen hat im Jahr 1991 neun bedeutende norwegische Hafenplätze der Eisenzeit und des Mittelalters ermittelt (darunter zwei in Rogaland), die wahrscheinlich Handels- und Marktaufgaben wahrnahmen (vgl. CHRISTOPHERSEN 1991). Dabei konnte er sich auf drei Quellenmaterialien stützen: die Schriftüberlieferung (Ottar; die Saga-Literatur), die bisher nicht systematisch erforschten Ortsnamen mit einem Hinweis auf Markt- und Handelsfunktionen (Kaupang-, Bjark-, Torg- und La-/Lahelle/Lahammar-Bezeichnungen) sowie archäologische Fundgattungen (z.B. Waagen) mit Indikatorfunktion (vgl. z.B. GRIEG 1971; LARSEN 1986). Zum Teil begegnen mehrere der Elemente an den betreffenden Orten, doch wegen des bisher ausstehenden systematischen Detektoreinsatzes und des Mangels an Ausgrabungen sind wir über die norwegischen Plätze weitaus schlechter als über ihre südskandinavischen Gegenstücke informiert. Wahrscheinlich muß eine größere Zahl derartiger Orte vorausgesetzt werden: Allein im südwestnorwegischen Rogaland, so eine neue Studie, existierten vier bedeutende Häfen der Eisenzeit und des Mittelalters mit Handels-/ Marktaufgaben (Egersund; Kvassheim/Hårr, Risavika/Tananger, Avaldsnes/Karmøy), die in chronologischer, funktioneller und sozialgeschichtlicher Hinsicht zu differenzieren sind (vgl. ELVESTAD 2001, 26-36).

Fallbeispiel 1: Kaupang, Tjølling (Vestfold)
Skíringssalr
(Kaupang) in Vestfold im östlichen Norwegen nahe der Lågen-Mündung befand sich in einer fruchtbaren Landschaft und in geschützter Lage am inneren Ende eines Buchtkeils mit guten Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten. Für Kontakte nach Westen und in den Oslofjord stand eine wichtige nahegelegene Landroute zur Verfügung. Die An- und Abreise per Schiff mußte über Fahrrinnen erfolgen, die Wind und Wetter in starker Weise ausgesetzt waren, doch alternativ bestand die Möglichkeit, nahegelegene Fjordarme über Meerengen und Landzungen zu erreichen, wobei das Wasserfahrzeug zuweilen über Land gezogen werden mußte. Das Areal des Handels- und Marktplatzes blieb unbefestigt, die einzige Zufluchtsmöglichkeit bot eine nahegelegene stattliche Höhenbefestigung (BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 153-155).

Das Kaupang-Gebiet in Tjølling wird seit dem frühen 19. Jahrhundert mit dem von Ottar genannten Handelsplatz Skíringssalr gleichgesetzt, und erste Untersuchungen fanden im Jahr 1867 statt. Gestützt auf alte Beschreibungen des 19. Jhs. wird mit einer Gesamtzahl von 1000 Bestattungen im gesamten Gebiet gerechnet, und neuen Kartierungen zufolge beläuft sich das bis 70 m landeinwärts reichende Schwarzerdeareal auf ca. 60.000 Quadratmeter (BLINDHEIM/ HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 153-155; SKRE 2000a, 342 ). Ein geringer Teil der Gräberfelder und des Schwarzerdeareals wurde von den 1950er bis zu den 1970er Jahren unter Federführung von C. Blindheim ausgegraben, und weitere Registrierungen und siedlungsarchäologische Untersuchungen fanden in den Jahren 2000-2002 statt (zuletzt BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 153-164, ANDERSSON 2000; SKRE 2000a, 2000b; SKRE/PILØ/PEDERSEN 2001; SKRE/STYLEGAR 2004).

Die Siedlungsgrabungen in den Jahren 1956-1974 förderten mehrere Häuser, Brunnen und Reste von Kaianlagen sowie eine Kulturschicht mit einer maximalen Mächtigkeit von 1 m zutage (TOLLNES 1999). Der auffallendste Hausbefund von 12 x 8 m (Haus I) zeigt eine vergleichsweise solide Konstruktion mit Feuerstelle. Im Rahmen der Untersuchungen konnten Handelsaktivitäten und unterschiedliche Handwerksareale nachgewiesen werden, doch es wurde argumentiert, eine gehöftartige Besiedlung bzw. die ganzjährige Nutzung des Gebiets könne nicht mit Sicherheit aus den Beobachtungen abgeleitet werden. Nach den siedlungsarchäologischen Untersuchungen in den Jahren 2000-2002 muß eine Neubewertung vorgenommen werden: Kaupang verfügte über ein planmäßig angelegtes System aus Parzellen bzw. Straßen und über Häuser für eine feste Besiedlung. Der in einem leicht erhöhten Areal des Huseby-Gehöfts lokalisierte und partiell untersuchte Hallenbau von 30 x 8 m, der eventuell bereits vor Inbetriebnahme des Handels-/Marktplatzes errichtet wurde, eröffnet Möglichkeiten für weitreichende Interpretationsansätze, die kurz an späterer Stelle angedeutet werden (SKRE/PILØ/PEDERSEN 2001; SKRE/STYLEGAR 2004).

Bei der Untersuchung der Gräberfelder im 19. Jh. bzw. in den Jahren 1950-1957 konnten ca. 75-80 Bootsgräber und weitere Bestattungen beobachtet werden (BLINDHEIM/ HEYERDAHL-LARSEN/TOLLNES 1981, 109-114; BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN 1995). Die sozialgeschichtliche Analyse führt zu dem Ergebnis, daß neben zahlreichen Bestattungen mit Handelsattributen (z.B. Waagen) einige Frauen- und Männergräber durch reiche Beigaben hervortreten, jedoch ohne das Niveau der bekannten Schiffsbestattungen aus Gokstad und Oseberg zu erreichen (zusammenfassend BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 159-162). Das in Kaupang geborgene Reitergrab, das älteste seiner Art aus Norwegen (Datierung: 800-850), hat wegen der zahlreichen und exklusiven Beigaben einen Sonderstatus inne (BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/TOLLNES 1981, 207-210 Pl. 33-42). Diese wahrscheinlich beraubte Brandbestattung aus einem Grabhügel mit einem Durchmesser von 20 m im Zentrum eines Gräberfelds enthielt Reitzubehör (Steigbügel, Gebiß, Pferdegeschirrbeschlag), hochwertige Waffen, darunter ein Ulfberth-Schwert, eine umfangreiche Werkzeuggarnitur, Klinkernägel und weitere Gegenstände. Die genannte Kaupang-Grablege gehört mit anderen Bestattungen zu einer Reitergrabgruppe bei zentralen Gehöften im südlichen Vestfold entlang der wichtigsten Verkehrs- und Kommunikationswege. Die Diskussion über die Deutung der norwegischen Reitergräber der Wikingerzeit ist nicht abgeschlossen, der jüngsten Interpretation zufolge handelt es sich um Bestattungen militärischer Führungspersönlichkeiten in den Diensten königlicher Lehnsmänner (BRAATHEN 1989, 103-167; SKRE 1998, 330).

Fremdgüter sind in großer Zahl in Kaupang geborgen worden, darunter arabische, fränkische und englische Münzen, insulare Objekte in Form von Beschlägen u.a.m., Glasfunde und ausländische Keramik. Wie Rohmaterialien, Halbfabrikate und andere Beobachtungen belegen, wurden Perlen, Bergkristallperlen, Specksteingefäße und Wetzsteine vor Ort produziert (BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 141-152; GJØSTEIN RESI 2000).

Eine vorsichtige Datierung rechnet mit einer Besiedlung Kaupangs im Zeitraum vom frühen 8. bis zur Mitte des 10. Jhs. sowie mit ausdehnten Handelsaktivitäten ab 800 bis zum späten 9. Jh. (CALLMER 1994, 68; vgl. jedoch BLINDHEIM/HEYERDAHL-LARSEN/INGSTAD 1999, 147). Die früher geäußerte Auffassung, Kaupang sei im Laufe des 9. Jhs. infolge der Landhebung immer schlechter mit Wasserfahrzeugen erreichbar gewesen und aus diesem Grund aufgelassen worden, kann nach neueren Untersuchungen nicht aufrechterhalten werden (SKRE/STYLEGAR 2004). Vielleicht war Kaupang wie einige südskandinavische Handels-/ Marktorte von der politischen Instabilität im späten 9. Jh. betroffen (CALLMER 1994, 68).

Erst jüngere namenkundliche Untersuchungen konnten die Besiedlungsgeschichte aufklären (HOEL 1986, 128-132; BRINK 1996, 271-273; ANDERSSON 2000). Als Keimzelle zentralörtlicher Aufgaben muß das von Ottar genannte Großgehöft Skíringssalr ca. 1 Kilometer im Landesinneren angesehen werden, das nach einem Hallengebäude benannt wurde (vgl. die salr-Endung bzw. den Hallennachweis in Huseby) und zu einem größeren Kult- (Guri, Lunde, Gjerstad) sowie Gehöftkomplex (Guri, Lunde, Valby, Østby) gehörte. Das nahegelegene Tjølling bezeichnete einen Tingplatz, der später zur Kirchstelle wurde, und diese Benennung ging schließlich auf die Kirchgemeinde über. Nach Umwandlung in ein königliches Gehöft wurde Skíringssalr durch den sekundären Namen Huseby ersetzt, d.h. einen Indikator für sozial herausragende, mutmaßlich königliche Ansiedlungen. Möglicherweise kam die Kaupang-Bezeichnung erst in mittelalterlicher Zeit für den südlich gelegenen und verlassenen Hafenplatz auf.

Die Frage, wer Kaupang begründete bzw. kontrollierte, muß anhand unterschiedlicher Quellenmaterialien diskutiert werden. Die genannten namenkundlichen Überlegungen könnten auf die Initiative eines nahegelegenen älteren Zentralplatzes hindeuten, eine Annahme, die vielleicht durch einige reich ausgestattete Gräber der Spätkaiser-, Völker- und Merowingerzeit nördlich von Kaupang/Skíringssalr/Huseby zu erhärten ist (BLINDHEIM/ HEYERDAHL-LARSEN/TOLLNES 1981, 39-46; CARNAP-BORNHEIM/ILKJÆR 1996, 296-298). Die fränkischen Reichsannalen überliefern für das Jahr 813, daß die königlich-dänischen Brüder Harald und Reginfred mit einem Heer nach Vestfold aufbrachen, um im nordwestlichen Gebiet ihres Reichs den Gehorsam wiederherzustellen. Weil aus dem Sinnzusammenhang der Quelle hervorgeht, daß Vestfold dänischer Oberherrschaft unterlag, könnte Kaupang als eine dänische Gründung aufgefaßt werden. Folgt man dieser Deutung, so ist der Ort erst im Laufe des 9. Jhs. unter die Kontrolle der ostnorwegischen Elite („Ynglinger“) gelangt, die sich durch die königlichen Schiffsgräber aus Gokstad, Oseberg und Borre zu erkennen gibt (z.B. CHRISTOPHERSEN 1991, 166-168; NORSENG 2000, 25-27).

Die Darstellung zu Kaupang lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der königliche Zentralplatz in topographischer Schlüssellage und auf fruchtbaren Böden hatte herrschaftliche, fortifikatorische, gewerbliche, merkantile und kultische Aufgaben. Der Hallenbau, der für Feste und Feierlichkeiten zu nutzen war, ist als Beleg für das kulturelle Leben aufzufassen, der Tingplatz verbürgt gerichtliche Funktionen.

Fallbeispiel 2: Avaldsnes, Karmøy (Rogaland)
Avaldsnes im landwirtschaftlich ertragreichen Norden von Karmøy ist seit langer Zeit für sein herausragendes archäologisches Fundmilieu bekannt, darunter Großgrabhügel der Bronzezeit, das am reichsten ausgestattete Waffengrab der skandinavischen Kaiserzeit (Flagghaug), sowie ein merowinger- und ein wikingerzeitliches Schiffsgrab (Storhaug; Grønhaug). Daneben zählt Avaldsnes zu den schriftlich genannten Königssitzen am Übergang von der Wikingerzeit zum Mittelalter sowie zu den Orten mit frühromanischen Steinkirchen aus dem 12. Jh. Zusätzlich befanden sich dort der Tingplatz (fjerdingsting) für das nördliche Rogaland sowie eine Höhenbefestigung (vgl. z.B. SLOMANN 1964; RINGSTAD 1986, 54-68, 304-309; OPEDAL 1998). Der archäologische Reichtum der Insel ist wiederholt auf die strategische Lage am Karmsund zurückgeführt worden, d.h. einer schmalen Schiffahrtspassage am Nordweg, welche die Kontrolle der Schiffahrt ermöglichte (zuletzt ELVESTAD 2001, 34f.). Die seit den 1980er Jahren verbreitete Auffassung, in Avaldsnes habe sich ein Hafen mit Handels-/Marktfunktionen befunden, stützt sich u.a. auf den dort nachweisbaren Lahamaren-Name, d.h. einen namenkundlichen Indikator (MYHRE 1987a, 124; CHRISTOPHERSEN 1991).

Die in den späten 1990er Jahren in Avaldsnes begonnene maritim-archäologische Untersuchung verfolgt eine interdisziplinäre Methodik (im folgenden ELVESTAD/OPEDAL 2001). Durch das Studium mittelalterlicher Karten und Schriftquellen konnte z.B. ermittelt werden, daß sich das als Nothow/Notau/Note benannte Hansekontor, die zweite derartige Einrichtung in Norwegen neben Bergen, bei Avaldsnes befand. Im Rahmen archäologischer Registrierungen wurden Hafenareale (Lahamaren bzw. Gloppe) nördlich und östlich der Kirche von Avaldsnes nachgewiesen. Zu den küstennahen Befunden im letztgenannten Bereich zählen Überreste von Kaianlagen, Hausgrundrissen und Schiffshäusern. Im Hafenbecken gelang die Bergung eines umfangreichen Keramikmaterials des 14./15. Jhs., das zum überwiegenden Teil aus dem Deutschen Reich und den Niederlanden stammt, sowie eines Frachtschiffs von ca. 22-24 x 6 m, das wohl als Fundament einer Kaianlage diente und anhand einer Radiokarbondatierung vielleicht dem 13. Jh. zuzuweisen ist.

Die intensiven maritimen Aktivitäten, die nahe Avaldsnes nachgewiesen wurden, könnten durchaus mit den Schriftquellen zum Hanse-Kontor in Verbindung stehen. Das noch höhere Alter von Hafenfunktionen in diesem Gebiet wird durch mehrere maritime Ortsnamen, darunter das bereits genannte Lahamaren, und die Radiokarbondatierung aus einem Schiffshaus (Datierungszeitraum: um 300 n.Chr.) nahegelegt. Die merowingerzeitliche Datierung des Schiffsgrabs aus Storhaug hat Anlaß zu weitreichenden Spekulationen gegeben (MYHRE 1994, 23f.; OPEDAL 1998, 109-173). Weil es sich dabei um die älteste derartige Bestattung in Skandinavien handelt und die frühesten norwegischen Könige in der Schriftüberlieferung grundsätzlich in Königssitzen im westlichen Landesteil (darunter Avaldsnes) überliefert werden, hat sich die Wiege des norwegischen Königtums wahrscheinlich im Westen und nicht, wie von Snorre und anderen Saga-Schreibern behauptet wird, im Osten des Landes befunden (vgl. auch KRAG 1991; 1993). In Verlängerung dieser Argumentation könnte vielleicht sogar davon ausgegangen werden, daß ein königlicher Handels-/Marktplatz der Merowingerzeit (?), der Wikingerzeit bzw. des Mittelalters in Avaldsnes existierte, der jedoch mit Ausnahme des Hansekontors wahrscheinlich nur vergleichsweise bescheidene Ausmaße hatte.

Die Darstellung zu Avaldsnes lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der königliche Zentralplatz in topographischer Schlüssellage und auf fruchtbaren Böden hatte herrschaftliche, fortifikatorische und vielleicht auch gewerbliche/merkantile Aufgaben. Vorchristlicher Kult wird mit einiger Wahrscheinlichkeit durch die Steinkirche des 12. Jhs. und gerichtliche Aufgaben durch den Tingplatz angezeigt. Bisher ist keine abschließende Beurteilung zu Avaldsnes vorzunehmen, denn die laufenden maritim-archäologischen Untersuchungen könnten das Fundbild zugunsten der Eisenzeit verändern.

Fallbeispiel 3: Fjære, Grimstad (Aust-Agder)
Der wikingerzeitliche Handels- und Marktplatz nahe dem südnorwegischen Fjære am inneren Ende einer keilförmigen Bucht ist allein anhand archäologischer Beobachtungen abzuleiten (im folgenden LARSEN 1986; STYLEGAR 2005). Die Fundlandschaft mit herausragenden Hinterlassenschaften aus unterschiedlichen archäologischen Epochen und mehreren Höhenbefestigungen befindet sich in einem fruchtbaren, weitgestreckten Gebiet mit einer guten Verbindung zu Schiffahrts- bzw. Überlandwegen und ausgezeichneten Bedingungen für Landwirtschaft, Viehhaltung, Jagd und Fischerei.

Die Wikingerzeit zeichnet sich durch zahlreiche Gräber mit außergewöhnlichen Beigaben aus, darunter mehrere Bestattungen mit Beigabe von Waagen bzw. Fremdgütern (z.B. Schwertern kontinentaler Herkunft) sowie die bemerkenswerte Zahl von ca. 15 Bootsgräbern, die bereits im 19. Jh. geborgen wurden, jedoch in ihrer Deutung umstritten sind (SHETELIG 1917, Kat.-Nr. 156-169; MÜLLER-WILLE 1970, 33-41). Der besondere Rang der Fundlandschaft wird auch durch Schmiedewerkzeuge aus Grab- und Lesefunden sowie mehrere Schatzfunde unterstrichen, darunter der Beleg aus Slemmedal (Lia, Landvik) mit Arm-/Halsringen aus Gold und Silber, Beschlägen, Münzen u.a.m. (rund 2 kg), die insbesondere Verbindungen zum Karolingerreich und nach Britannien erkennen lassen. Wie die Steinkirche des 12. Jhs. und der Tingplatz in Fjære sowie der wahrscheinlich in Bringsvær sitzende königliche Lehnsmann bezeugen, hatte das Gebiet auch im Mittelalter eine wichtige Stellung (AALHOLM 1982).

Mehrere nahegelegene und zum Teil große Steinbrüche belegen die Nutzung von Speckstein als Handelsware. Dessen Bedeutung wird durch ein weiteres Indiz belegt: Der aus der Saga-Literatur bekannte und nahe Fjære gelegene Hafen Esjunes (heute: Hesnesøy) enthält als erstes Namenselement die altnordische Bezeichnung esja für Speckstein (SKJØLSVOLD 1961, 120). Die Insel oder Inselteile gehörten im späteren Mittelalter bezeichnenderweise zu Bringsvær (WIKANDER 1985, 49-50).

Weil sich die genannten Fundkategorien bzw. Fundkomplexe am inneren Ende des geschützten Buchtkeils häufen, hat sich das bis heute nicht lokalisierte Hafenareal wahrscheinlich im Bereich von Vik oder Fjære befunden. Interessanterweise ist der maritime Ortsname Skjevik in der Bucht eventuell als Beleg für einen wikingerzeitlichen oder mittelalterlichen Landeplatz für Schiffe zu betrachten (STYLEGAR/GRIMM 2003, 82f.). Zur Deutung der Fundlandschaft ist der bekannte Handelsplatz Kaupang herangezogen worden (LARSEN 1986). Wird berücksichtigt, daß beide Fundplätze durch zahlreiche Gräber mit Beigabe von Fremdgütern, Waagen, Schmiedewerkzeugen sowie Booten hervortreten, erscheint es naheliegend, auch Fjære Handelsaufgaben zuzuschreiben. Im Gegensatz zu Kaupang hatte der südnorwegische Fundplatz jedoch lediglich eine regionale Bedeutung und stand unter der Leitung eines Kleinkönigs.

Die Darstellung zu Fjære lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der von einem Häuptling kontrollierte Zentralplatz in topographischer Schlüssellage und auf fruchtbaren Böden hatte herrschaftliche, fortifikatorische, gewerbliche und merkantile Aufgaben. Die Steinkirche und der Tingplatz sind mit einiger Wahrscheinlichkeit als Belege für vorchristlichen Kult bzw. wikingerzeitliche Gerichtsfunktionen anzusehen.

Abschließende Betrachtungen
Wie dargestellt, kann der Facettenreichtum der norwegischen Handels-/Marktplätze der Wikingerzeit nur durch eine interdisziplinäre Arbeitsweise aufgezeigt werden. Die angeführten Beobachtungen sind kurz mit zentralörtlicher und sozialgeschichtlicher Perspektive zusammenzufassen:

1. H.W. Böhmes These, der südskandinavische Fernhandel sei in der Wikingerzeit mehr und mehr unter königliche Kontrolle gelangt, lässt sich wahrscheinlich mit gewissen Nuancierungen auch für Norwegen bestätigen. Vorwikingerzeitliche Handels-/Marktsplätze sind nur indirekt zu erschließen; ein derartiger Platz, der für die Spätkaiser- und Völkerwanderungszeit in Jæren leicht südlich von Stavanger zu vermuten ist (s.o.), befand sich unter der Leitung einer regionalen Führungspersönlichkeit. Kaupang und eventuell Avaldsnes deuten darauf hin, dass mit fortschreitender Eisenzeit der König die Aufsicht über den Fernhandel hatte.

2. Die diskutierten norwegischen Orte können als typische Belege für das topographisch weitgehend vorherbestimmte Zentralplatzmuster in diesem Land aufgefaßt werden: Sie befanden sich auf fruchtbaren Böden bzw. in küsten- oder fjordnaher Schlüssellage an wichtigen Verkehrsverbindungen und hatten in verschiedenen Epochen übergeordnete politische, wirtschaftliche, kultische und weitere Aufgaben in einem naturräumlich anhand von Küste, Fjord, Tal und Fjell begrenzten Areal (vgl. RINGSTAD 1986; MYHRE 1987b; STORLI 1989; BERGLUND 1995; STYLEGAR/GRIMM im Druck). Das funktionell nachrangige Umland kann anhand der weniger spektakulären archäologischen Fundmaterialien bzw. zuweilen anhand von Ortsnamen ermittelt werden. Einem Modell für die südwestnorwegische Völkerwanderungszeit zufolge war der primäre küstennahe Zentralplatz von einem dicht besiedelten Gebiet und einem Verteidigungsring aus Höhenbefestigungen umgeben. Die Ressourcen aus den unterschiedlichen ökologischen Zonen im Landesinneren wurden durch nachgeordnete Häuptlinge zum Küstenzentrum gebracht (vgl. MYHRE 1987b, 185 Abb. 13f.). Die umfangreichen norwegischen Zentralplatzforschungen ab den 1970er Jahren und ihre Vorläufer aus der ersten Hälfte des 20. Jhs., die sich auf aussagekräftige archäologische, namenkundliche und schriftliche Quellenmaterialien stützen konnten, sind bisher leider nicht zusammenfassend betrachtet worden. Bei einer derartigen Analyse müßten in stärkerem Maße die Vorstellungen von Geographen und Historikern zum Zentralplatzkonzept einbezogen werden. Abschließend bleibt festzustellen, dass für die norwegischen Handels-/Marktplätze der Wikingerzeit ein breit gefächertes Funktionsspektrum zu belegen ist. Dies gilt interessanterweise auch für die latènezeitlichen Zentralplätze in Böhmen, wie in jüngster Zeit in einer zeitlich weit ausgreifenden und methodisch ausgerichteten Studie dargestellt wurde (SALAČ 2000, 31). Die Untersuchungen in Norwegen und auch Böhmen zeigen, dass bei einer glücklichen Überlieferungssituation eine Vielzahl von Funktionen bei vor- und frühgeschichtlichen Zentralplätzen nachzuweisen ist. Die archäologische Diskussion über den Funktionsbereich derartiger Orte, die von E. Gringmuth-Dallmer angeregt wurde, muß fortgesetzt werden.

von Oliver Grimm/Frans-Arne Stylegar

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